Unsere Kinderreha im Herbst 2013 – die Hintergründe

Ihr fragt Euch sicher, warum fahren wir überhaupt zur Reha?

 

Erst einmal: eine stationäre Rehabilitationsmaßnahmen dient dazu, bestehende Fähigkeitsstörungen zu beseitigen oder zu reduzieren, eine Verschlimmerung zu verhüten, Krankheitsbeschwerden zu lindern und dem Patienten Hilfen zum besseren Umgang mit seiner Krankheit bzw. Behinderung zu geben.

Stationäre Rehabilitationsmaßnahmen kommen dann in Betracht, wenn andere Möglichkeiten der ambulanten Behandlung bzw. Rehabilitation nicht ausreichend sind. Dabei geht es darum, körperliche, geistig und seelisch bedingte Behinderungen und Beeinträchtigungen auszugleichen, zur Selbsthilfe anzuleiten sowie den Patienten und ggf. seine Angehörigen zu beraten.

 

Unser Sohn ist eigentlich schon immer übergewichtig. Als Baby war das niedlich, Babyspeck gehört zu jedem Baby dazu. Da denkt man sich „noch“ nichts dabei. „Das verwächst sich, wenn er größer wird.“ Ja, diesen Satz höre ich seit 8 Jahren mind. 1x im Monat und seitdem warte ich auch darauf, dass es sich endlich verwächst. 😉

 

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Jens übergewichtig ist.

  • falsche Ernährung – damit meine ich nicht, dass Jens den ganzen Tag Süßigkeiten und Chips futtert. Auch wenn man manchen Eltern ansieht, dass sie das denken. Jens ißt schon immer alles, am liebsten herzhaft. Aber ich glaube, das Hauptproblem war das Trinken. Ich selbst mag absolut kein Wasser (egal ob Leitungswasser oder Mineralwasser) und ich mag keinen Tee. Als Jens ein Baby war, habe ich ihm ungesüßten Tee gekocht – aber auch er mochte ihn nie. Einfach Wasser in den Becher füllen – das klingt jetzt logisch, hab ich aber irgendwie verpasst – ich gebe es ja zu. Wir haben viel verdünnten Saft getrunken, meist Apfelsaft. Daraus wurde dann später Brause, ich liebe Zitronenbrause. ich selbst bin schlank und kann alles essen und trinken – habe zu spät gemerkt, dass das fatale Folgen für Jens haben wird.

 

  • zu wenig Sport – auch diesen Punkt gebe ich zu. Was soll ich hier alles beschönigen? Dann brauche ich nichts schreiben. Ich bin selbst ein Sportmuffel, habe allerdings immer drauf geachtet, dass Jens zum Babyturnen und später zum Kinderturnen ging. Aufgrund seiner schwachen Fein- und Grobmotorik konnte er noch nie mit anderen Kindern mithalten, so dass wir irgendwann mit dem Kinderturnen augehört haben. Es war nicht erwünscht, dass ich während der Stunde in der Halle blieb.  Ja das gibt es, lieber haben die jungen Mädchen mit ihren Handys gespielt, als Jens an die Hand zu nehmen, wenn er die schräge Bank nicht hochlaufen konnte/wollte. Es hat sehr lange gedauert, bis wir DIE Sportart für ihn gefunden haben: Karate. Im Karatesport „geht er auf“. Jens kann aufgrund seiner motorischen Defizite auch hier nicht alles mitmachen und kommt mit den anderen nicht richtig mit, aber die Trainer wissen es und gehen super auf ihn ein. Ende Nov. wird Jens hoffentlich seine „Gelbgurt-Prüfung“ bestehen. Sein Seepferdchen-Abzeichen hat er mit 5 gemacht, so wie es sein soll, Fahrradfahren hat auch irgendwann geklappt, dies mußte allerdings dann für eine sehr lange Zeit pausieren (das erkläre ich euch später unter dem Punkt Epilepsie) und wir fahren erst seit diesem Jahr wieder.

 

  • Vererbung – das hören die Ärzte nicht gern, wenn man ihnen sagt, Jens hat es auch ein Stück weit vererbt bekommen. Auf diesem Punkt möchte ich allerdings nicht genauer eingehen, aber unser Neurologe hat es mir bestätigt, ein Teil kommt auch hierher.

 

  • Kinderspielen – was mußte ich mir schon anhören, auch von meinem Mann … Blablabla, ich habe meine eigene Meinung und wer da nicht mitzieht, sorry da hab ich kein Verständnis für. Denn: was ist, wenn Kinder hier bei uns zu Besuch sind? Jens weiß, dass es nichts Süßes gibt – die Kinder können einen Apfel essen. Aber die Kinder flüstern Jens zu, er solle doch mal fragen …. oh nein, nicht mit mir!Was ist, wenn Jens bei Freunden ist? Dann wird dort fleissig gefuttert. Klar, dann haben die Eltern wieder was zum Quatschen „ist ja kein Wunder dass Jens so dick ist, wenn man sieht, was er futtert.“ NEIN, so ist es bei uns nicht. Bei uns gibt es nicht viel, da ist es doch verständlich, dass er zugreift wenn man es ihm vorsetzt. Der beste Spruch kam mal von einer Mutter: Mein Kind MUSS nachmittags noch Brötchen/Kuchen etc. essen. Warum muß ein Kind 2 Std. nach dem Mittagessen nochmals so viel essen frage ich mich. Diese Mutter war dann einmal ganz entsetzt, als sie ihren Sohn abends abholte und ich ihr sagte, dass es nicht gegeben hat außer Obst. Sie sagte mir bei der nächsten Verabredung, dass die Kinder dann erst später miteinander spielen können, da ihr Sohn vorher noch etwas essen muß. Mein Mann hat sich aufgeregt, als ich mich aufregte 😉 „ich müsse das verstehen“ – ich sagte ihm „nein, muß ich nicht! Warum kann mich keiner verstehen? Warum MÜSSEN die Kinder nachmittags vollgestopft werden?“ Wenn die Kinder bei mir nicht wissen, was sie mit sich anfangen sollen, setze ich mich mit ihnen hin und spiele ein Spiel – aber leicht ist es auf die Süßigkeiten-Art – hinstellen und es ist Ruhe im Haus.

 

  • Medikamente – mit 6 Jahren, pünktlich zur Einschulung bekam Jens „Petit Mal Absencen“. Ich betone dies so, weil man genau dieses Alter liest, wenn man mal danach googelt. Absencen sind eine Form der Epilepsie und somit ist Jens in neurologischer Behandlung. Die erste Medizin die er bekam (Valproinsäure) war der Hammer. Zum einen fürchteten wir um sein Leben, denn dieses Medikament kann die Leber zerstören – zum anderen hat Jens immerhalb von (ich weiß nicht mehr genau) 6 Wochen ca. 10 kg zugenommen. Leider hat die Valproinsäure die „Anfälle“ nicht komplett unterdrücken können, so dass wir nach fast einem Jahr Einnahme das Medikament gewechselt haben.  Das Gewicht aber blieb und wird immer mehr. Das ist der Nachteil von Epilepsie-Medikamenten 🙁

 

  • Kreislauf-Falle –  zu pummelig = in der Bewegung eingeschränkt = es wird sich weniger bewegt / weniger Bewegung = Gewicht erhöht sich noch mehr

 

So, dass wären dann erst einmal die Gründe für unsere Reha. Da Jens jetzt mit 8 Jahren so weit ist selbst mitzuarbeiten, können wir starten. Denn er achtet jetzt selbst mit auf Kalorien, er versteht es wenn ich sage, dass ein Riegel Schokolade knapp 100 kcal hat und er dafür einen ganzen Joghurt essen könnte. Jens trinkt seit langer Zeit keine Brause mehr – wir trinken jetzt viel „Grünen Tee“ – dieser ist fertig gekauft, hat auch Süße, ist aber nicht so kalorienreich – der Saft wird noch mehr verdünnt. Jens trinkt auch Wasser, aber nicht so oft wie ich es gerne hätte. Aber es ist schon mal ein guter Anfang, der sich schon auf der Waage zeigt 🙂

 

Versteht es jetzt nicht falsch: Ich will niemandem „die Schuld“ in die Schuhe schieben. Das meiste habe ICH gemacht das weiß ich und darum setzt ich jetzt alles daran, dass dieses Übergewicht reduziert wird.

 

 

 

 

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2 thoughts on “Unsere Kinderreha im Herbst 2013 – die Hintergründe

  1. Kirstin

    Hallo Sandy,
    ich freue mich, dass du auf meinen Bericht gestossen bist. Wir haben leider einen argen „Rückschlag“ – aus diesem Grund habe ich auch noch nicht weiter geschrieben. Irgendwann werde ich hoffentlich die Kraft dazu finden.
    Wir waren im Herbst, direkt nach diesem ersten Bericht zur Reha (diese war leider nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte) und unser Sohn hat auch weiter abgenommen. Seit dem ist er aber an Purpura Schönlein-Hennoch erkrankt und darf sich wenn möglich nicht viel bewegen. Was das heißt kannst du dir ja bestimmt denken.
    LG Kirstin

  2. Einsicht ist der erste Weg zur Besserung! Viele Eltern sind noch lange nicht so weit wie du! Ich finde es sehr bewundernswert, dass du dir deine Fehler eingestehst und auch darüber schreibst! Mach weiter so, dann funktioniert das auch mit dem Abnehmen.

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